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Anrudern 2006 (01.04.2006)

OutGames Montreal 2006 - Größenwahn im FRV

Olympia – ein Traum wird wahr. Es muss ja schließlich auch was Gutes haben, wenn ich denn schon als Junge nicht beim Fußball mitspielen wollte, dass ich nun Teil einer Randgruppe bin, die sich selbst gern und gut feiert und vor allem gut vernetzt ist. Nun habe ich zwar auch überlegt: „Muss das wirklich sein? Alter Mann auf großer und dazu noch sportlicher Reise.“ Unbedingt, es musste sein!

 

Angefangen hat für mich ja alles mit den GayGames 1998 in Amsterdam. Bis dahin hatte ich gar keine Ahnung, wie perfekt und global der internationale Gaysport organisiert ist. Die GayGames als eine Art ‚warme Olympiade’ fanden das erste Mal bereits 1982 in San Francisco, USA, statt und immerhin seit Mitte der 80er Jahre gibt es in Berlin schwullesbische Sportveranstaltungen.

 

Jetzt also Montreal, dort jetzt OutGames 2006 genannt (ein internationaler Zickenkrieg hat zu einer Spaltung der GayGames geführt). Es war eine wunderbare Erfahrung. Schön an dem Fest war, dass tatsächlich noch der alte olympische Gedanke zählt „Dabei sein ist alles!“

 

Die Reise ist weit, der Preis hoch und die Vorbereitung lang – kurz gesagt: Es war schwer, Ruderfreunde zu finden, die sich auf dieses Abenteuer einlassen wollten. Aus dem FRV waren diesmal leider nur Ingo Kölsch und Thomas Ruffer dabei, für die Mannschaftsboote haben wir uns deshalb in anderen Vereinen umsehen müssen. Die insgesamt 10 Berliner Ruderer waren Teil des Team Berlin, das immerhin etwa 250 SportlerInnen umfasste.

 

Da es im FRV lange Zeit keinen Einer für das Training gab, war es für mich recht hilfreich, in Köln eine perfekte Regattastrecke, gute Boote und gelegentlich auch einen Trainer zu haben. Wir haben auch in Grünau auf der Regattastrecke trainiert und mit der Zeit wurde aus vier Individualisten ein durchaus akzeptabeler Vierer. Perfekt war, dass wir hier in Berlin mit Jörg Simon im Verein einen Trainer fanden, der genau zu uns passte. Er hatte die Ruhe, uns geduldig viele Male die gleichen Fehler zu erklären, er verstand es, die verschiedenen Ruderstile und Rudererfahrungen in Einklang zu bringen und er wusste vor allem, dass wir keine zusätzliche Motivation durch Rumschreierei oder starke Sprüche brauchten. Jörg, an dieser Stelle noch einmal vielen herzlichen Dank.

 

Bei einigen kleineren Regatten in und um Berlin konnten wir im Frühsommer dann auch erste Erfahrungen als Mannschaft sammeln. Dank der logistischen Unterstützung des FRV haben wir auch an der Bernburger Regatta teilnehmen können. Für die Vorreitung auf die Regatta in Montreal eine große Hilfe.

 

Wie es sich für uns gehört, war neben dem Training auch die Kleidungsfrage von großer Bedeutung, galt es doch abzustimmen, was wir bei den verschiedenen Rennen der Regatta anziehen wollen.

 

 

Wir hatten viel Auswahl und das ist das Endergebnis:

Zum Einmarsch im Olympiastadion trugen wir das blaue Berlin-T-Shirt, da ja, anders als bei den Olympischen Spielen, Städtemannschaften starten. Beim Viererrennen trugen wir dann queerSchlag, da wir ja aus drei Vereinen (FRV, SCBG, Kölner RV 1877) kamen. Thomas hat im Zweier und im Einer das FRV T-Shirt angehabt. Und ich trug im Einer FRV, im Doppelzweier KRV. Am Ende wurde Ingo und Hans – Jürgen am Start dann leider doch ermahnt, die Basekaps abzunehmen, weil diese nicht die gleichen Farben hatten. So streng war das Reglement!

 

Dann die Regatta in Montreal:

Weil, wie inzwischen bei fast allen internationalen Masterregatten der FISA üblich, keine Vorläufe gerudert wurden, wurden nur die jeweiligen Sieger der Abteilungen geehrt. Neben zwei Goldmedaillen (im M C 2x mit Ingo Kölsch mit Hans-Jürgen Keens aus Köln erkämpfte sich Martin Schell vom SCBG im M C 1x eine Goldmedaille) erkämpften die Berliner, die in insgesamt 13 Rennen gestartet sind, viele sehr gute Platzierungen.

 

Ein Sieg ist aber das Größte, ein Traum wurde wahr. Ich war völlig durch den Wind. Irgendwie war in meinem Kopf immer wieder das Bild, dass vor genau 30 Jahren bei den Olympischen Spielen auf genau dieser Regattastrecke großartige Mannschaften gegeneinander gekämpft haben. Und jetzt wir, RÜHRUNG.

 

Nach der Regatta hatten wir dann natürlich noch viel Programm als Teilnehmer der OutGames oder als Tourist. Wir haben bei anderen Sportarten zugesehen, wir waren auf Sportlerpartys und auch auf einer Verpartnerung eines Berliner Ruderers, die in Kanada als richtige Hochzeit möglich ist. Als Touristen waren wir in Ostkanada, von Quebec bis zu den Niagarafällen, unterwegs. Davon zu berichten, wurde den Rahmen unseres kleinen Heftes deutlich sprengen.

 

Es bleibt die Erinnerung an eine unvergessliche Zeit.

 

„Sport frei“ grüßt Ingo Kölsch

 

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